Informatik vs. Ernährung

Kürzlich wurde in den Radionachrichten berichtet, dass darüber nachgedacht wird in NRW ‚Ernährung‘ als Schulfach einzurichten. Meine erste innere Reaktion (auch ich bin in NRW zur Schule gegangen): Das nannte man früher „Kochen AG“. Die Aussage der Radiomoderatoren war genauso passend „Da bekommt die Ausrede‚ der Hund hat meine Hausaufgaben gegessen‘ eine ganz andere Bedeutung“.

Jetzt lässt sich natürlich argumentieren, das Thema Ernährung geht uns alle an. Besonders in dem Bezug, dass Eltern ihren Kindern bereits eine schlechte Ernährung vorleben. Sicherlich stimmt das, dennoch sollten Schulen nicht dafür da sein Inhalte, die durch Eltern vermittelt werden müssen, zu übernehmen. Sind wir doch realistisch – ein Auszubildender oder Praktikant sollte statt Toast Hawaii zaubern zu können, doch besser z.B. mit Excel umgehen können.

Denn auch im Informatikbereich haben die Jugendlichen von heute doch erhebliche Defizite. Informatik besteht nicht nur aus Programmieren und Mathematik, sondern darunter fallen schon simple Office Anwendungen. Unsere Jugend wächst heute selbstverständlich mit Smartphone und Tablet auf, doch gehört es auch zu meinem Verständnis von IT-Know-How komplexere Berechnungen in Tabellenkalkulation anzulegen zu können oder Serienbriefe und –Emails aus (einfachen) Datenbanken zu erstellen. Solches Wissen kann i.d.R. nicht durch das Elternhaus vermittelt werden. Die begrenzten Lehrkapazitäten müssen doch besser für wirklich relevantes eingesetzt werden.
Ich hatte das Glück, dass meine Realschule in den letzten beiden Jahren Informatik als Hauptfach angeboten hatte. Anschließend konnte ich in der Berufsschule das Fachabitur im Bereich Informatik (Staatl. Geprüfte Informationstechnische Assistentin) abschließen.
Das ist m.M. nach ein wichtiges und richtige Lehrangebot. Es muss an möglichst allen weiterführenden Schulen Informatikfächer angeboten werden.
Informatik hat endlich auch den richtigen Stellenwert verdient und gehört für mich als Pflichtfach ab der fünften Klasse eingeführt. Kindern muss der Umgang mit dem Bereich Informatik beigebracht werden, und dieser besteht nicht nur aus Programmieren oder Spielen.

Der Koalitionvertrag von Grüne und CDU (PDF) sieht im Bereich Industrie und Verwaltung das Thema 4.0 und Digitalisierung vor. Wir müssen allerdings erst einmal unserer Gesellschaft das Grundlagenwissen beibringen.
Dem zum Widerspruch steht folgender Auszug aus dem Koalitionvertrag:

Die Informatik werden wir in den Schulen mit dem „Aufbaukurs Informatik“ in Klasse 7 aller weiterführenden Schulen, mit dem Profilfach „Mathematik, Physik, Informatik“ in den allgemeinbildenden Gymnasien und im erweiterten Niveau der Gemeinschaftsschulen sowie mit dem Wahlfach „Informatik“ in den Realschulen, Haupt-, Werkreal- und Gemeinschaftsschulen verankern.

Dies wird unsere Industrie 4.0 nicht ausreichen, denn Informatik ist wie Deutsch, Mathe und Englisch in allen Berufsgruppen vertreten. Das fängt schon damit an wenn die Pflegekraft ihren Bericht in ein Word Dokument oder der Lagerarbeiter seine Stunden in Excel eintragen soll. Wie es so schön in Stelleanzeigen heißt, sind IT-(Grund-)Kenntnisse nicht mehr wünschenswert sondern Voraussetzung.

Es wird Zeit, dass unser Lehrplan auch im 21 Jahrhundert ankommt.
Informatikfächer müssen verpflichtend angeboten werden – Um zu lernen wie man sich richtig ernähren kann, ist die Schule hingegen vielleicht die falsche Institution.

Anmerkung: Und die neue und aufgewärmte Diskussion über „Killerspiele“ und die Halbwahrheiten die jetzt wieder Politiker vom Stapel lassen. Zeigen das hier auch Definitiv Grundwissen in diesem Personenkreis vermittelt werden müssen, dazu gehören auch eine wenige sensationsgeile Journalisten.

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