Keine Rückwärtsgewandte Verkehrspolitik

Das Jahr 2015 ist noch jung, aber die Ulmer Politik beschäftigt ein neues Thema welches den Gemeinderat spaltet.
Das Streitthema ist die geplante Tiefgarage am Bahnhof. Soll sie nun 800, 500 oder am besten gar keine Parkplätze haben, soll sie wirklich nach unten oder doch nach oben gebaut werden?
Momentan sind die meisten Fraktionen gegen den Stadtvorschlag (500 Parkplätze) und wollen stattdessen lieber in die Vollen gehen. Nachdem Motto „Klotzen, nicht kleckern“ sollen es schon 800 Parkplätze werden.

Ich sehe dieses Projekt sehr kritisch und die zu erwartenden viel zu hohen Kosten machen es für mich nicht zustimmungswürdig.
Das Projekt „Tiefgarage am Bahnhof“, egal in welcher Variante, stellt eine Operation am offenen Verkehrs-Herzens in Ulm dar, die uns über mehrere Jahre stark belasten wird.
Staus werden der Alltag sein. Nicht zu vergessen sind auch die Altlasten aus dem zweiten Weltkrieg, niemand weiß wie viele Blindgänger noch rund um den Bahnhof zu erwarten sind. Der war schließlich ein Hauptangriffsziel.
Ebenfalls wird so ein Vorhaben definitiv den Bau der Straßenbahnlinie 2 verzögern. Im Zusammenhang mit der Linie 2 ist zu beachten, dass die Kostenabrechnung beim Land sowie beim Bund bis spätestens 2019 erfolgen muss.
Kosten die bis dann nicht abgerechnet werden können, werden den Haushalt der Stadt Ulm zusätzlich belasten und das wird wiederum andere Investitionen gefährden.

Meiner Meinung führt die Schaffung von noch mehr Parkkapazitäten in der Innenstadt in eine verkehrspolitische Sackgasse.
Die Ulmer müssen sich dem stetig wachsenden Verkehrsaufkommen anpassen und nicht auf ihre Bequemlichkeit pochen.
Es muss ein Umdenken stattfinden, wir können nicht mehr alle mit unseren Autos überall hinfahren.
Heute haben viele Haushalte mindestens zwei PKW (auch meiner gehört dazu), und das merkt man deutlich an der immer angespannteren Verkehrslage in Ulm.
Stuttgart ist hier ein gutes, wenn auch trauriges Beispiel, und erlaubt damit einen Blick in die Ulmer Zukunft schon heute. Täglich erlebt Stuttgart seinen Verkehrskollaps. Mit dem aktuellen Denken der Entscheider und Bürger, sehe ich Ulm in Zukunft auf dem Stuttgarter Weg.
Die Stadt und die Bürger müssen daher umdenken. Die Stadt muss den ÖPNV weiter verstärken und der Bürger sollte lernen ihn zu nutzen und entdecken welche Vorteile Bus & Bahn bringen können.
Ja, dann dauern die Besorgungen länger und ja, evtl. muss man umsteigen. Wer aber z.B. an einem Samstag in die Ulmer Innenstadt fährt und sich dort in der Warteschlange zum Parkhaus stellt wird vielleicht erkennen, dass die aufgebrachte Zeit und die Kosten um ans Ziel zu kommen gar nicht so unterschiedlich z.B. zum Bus sind.
Mit den bisher angebotenen Park & Ride-Plätzen um Ulm herum kommt man billig und schnell in die Innenstadt ohne die verstopften Straßen noch weiter zu belasten und dabei fluchend im Stau zu stehen.
Gerade Konzepte wie Park & Ride müssen unterstützt und nach Möglichkeit ausgebaut werden.
Sicherlich müssen aber auch die bereits bestehenden Park & Ride Möglichkeiten besser kommuniziert und bekannt gemacht werden. Hier Informationen zu den P&R-Parkplätze um Ulm herum Link

Betrachtet man die bereits eingeschlagene Marschrichtung zur Verkehrsberuhigung der Innenstadt, ist schnell offensichtlich, dass der Bau weiterer Parkplätze gar nicht ins Konzept passen kann.
Es kann doch nicht richtig sein, wenn die Straßen auf eine Spur verringert werden, Tempolimits eingeführt werden um dann dafür im Gegenzug mehr Parkplätze zu schaffen.
Mehr Kapazität bei verringertem Zufluss – scheint seltsam wenn doch eigentlich ein anderes Konzept verfolgt wird.

Wir können wie in so vielen Dingen nicht einfach weiter machen wie bisher.
Veränderungen mag der Mensch in der Regel nicht, aber man muss auch Alternativen wagen und Anderes ausprobieren. Was ist schon dabei Samstag das Auto stehen zu lassen und zu Fuß, mit dem Rad oder doch dem ÖPNV in die Stadt zu kommen. Einfach machen!

Also, es ist unsinnig, zu teuer und mit zu hohen Risiken verbunden jetzt eine Tiefgarage am Bahnhof zu bauen. Dabei werden nicht nur die Kosten explodieren sondern auch das Denken und der Wandelwille der Bürger einbetoniert.

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