Parkplatz statt Menschlichkeit?

Gerade haben wir das Thema Parkplätze erfolgreich unter die Erde gebracht, da steht schon der nächste Streit um Parkplätze an. Offenbar ist dies des Ulmer liebstes Kind 😉
Aber was lässt den jetzt schon wieder die Gemüter hochkochen?

Es geht um den Parkplatz (50 Stellplätze) vor dem Westbad. Aktuell wird dort eine Flüchtlingsunterkunft mit zugehörigen Büroräumen von der Stadt geplant.
Dabei verschwinden die Parkplätze allerdings nicht, sondern die Stadt plant diese als Quer-Stellplätze an die Moltkestraße zu verlagern.
Im Rahmen einer Bürgerinformations-Veranstaltung war aber der Wegfall dieser Parkplätze das Thema Nummer eins und ließ die Gemüter heißlaufen.
Mir persönlich(!) ist das ein absolutes Unding.
Statt Konzepte zu entwickeln wie wir unsere zukünftigen Bewohner begrüßen und willkommen heißen können, werden stattdessen lieber Unterschriften gegen das Flüchtlingswohnheim gesammelt und Leserbriefe an die Zeitung verfasst. Den Menschen geht der Verlust von Parkplätzen näher, als die Schicksale vertriebener und entwurzelter Menschen.

Wo ist da die Relation? Wo ist da unsere gesellschaftliche Verpflichtung?
Es geht darum, dass Unterkünfte für Menschen geschaffen werden, die Ihre Heimat verlassen haben, die Ihre Wurzeln verloren haben und vor Verfolgung, Krieg und Zerstörung fliehen mussten.
Diesen Menschen soll auch in Ulm geholfen werden. Sie sollen nicht in einer Unterkunft in irgend einem Gewerbegebiet untergebracht werden, sondern zentral und im Leben der Weststadt integriert werden.
Das ist der erste und beste Ansatz zur Integration und gehört für mich selbstverständlich zu einer Willkommenskultur.
Wir haben durch unseren sehr eingeschränkten Blick auf die Tageschau-Bilder kaum eine Vorstellung welche seelischen Narben Krieg und eine wochenlange Flucht auf der Seele der Menschen hinterlassen hat.
Diese Menschen sind i.d.R. sicherlich keine Wirtschaftsflüchtlinge die wegen ein paar 100€ Hartz4 ihre Heimat und Kultur verlassen und in unser Land fliehen.
Sie sind getrieben von Angst um das Leben ihrer Familien, das durch Krieg und Hunger bedroht ist.

Wir müssen unsere „Wohlstandsproblemchen“ wie Parkplätze doch gegenüber Flüchtlingen hinten anstellen.
Und die kommenden Parkplatzengpässe während der Bauphase werden wir schon überstehen.
Zum Schluss werden die Eltern Ihre Kinder auch weiterhin bis fast vor die KiTa-Tür fahren können.

Genau solche Diskussionen sind die Ursache warum Integration und Zusammenleben bisher nur schwer funktioniert.
Die Menschen, die zu uns kommen, haben erst einmal kein Gesicht und keine Identität für uns.
Durch Maßnahmen wie die räumliche Integration in die Wohngebiete in die Städte wird diese Anonymität abgemildert.
Man trifft sich und kommt ins Gespräch – man lernt sich kennen. DAS ist eben der erste und wichtige Schritt um Ängste und Vorurteile abzubauen.

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